Essen ist lebensnotwendig. Das wissen wir alle. Doch was sollten wir essen, um dem Körper den besten Brennstoff zu geben. Unser Körper funktioniert durch Glucose und diese bekommen wir durch Kohlenhydrate. Kennst du jemanden der keine Kohlenhydrate mag? Ich nicht. Kein Wunder, denn der Verzehr von Kohlenhydraten erzeugt eine Party in unserem Gehirn. Es wird jede Menge Serotonin (Glückshormon) ausgeschüttet. Deswegen greift der ein oder anderer in stressigen Situationen gerne zu Süßigkeiten. Wenn du jedoch genug komplexe Kohlenhydrate über den Tag verteilt isst, so kommst du auch nicht in die Bredouille alt ergraute Schokolade vom letzten Jahr zu verwehrten.

 

Die Protein-Lüge

Du fragst dich vielleicht wieso High Carb und nicht Low Carb? Überall ist doch von Low Carb die Rede. An dieser Stelle ein Hoch auf die Lügen der Medien und Fitness-Industrie. Wie oben schon erwähnt kriegt unser Körper seine Energie durch Kohlenhydrate. Eiweiße brauchen wir ebenfalls, aber noch lange nicht in der Menge wie es in die Köpfe der Gesellschaft injiziert wurde. Selbst die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt für eine erwachsene Person einen Eiweißbedarf von 0,8 Gramm pro Körpergewicht (DGE, 2015). Bei einer 80 kg schweren Person macht das nur 64 Gramm aus.

Einer der häufigsten Fragen, die man bei einer pflanzlichen Ernährung gestellt bekommt: „Woher kriegst du dein Eiweiß, du hast doch bestimmt einen Eiweißmangel?“ Kennst du eine Person, die je einen Eiweißmangel unterlag? Ich nicht. Manche Kinder in Entwicklungsländern haben einen Eiweißmangel, nicht nur das. Sie haben ganz andere Probleme. Sie haben nichts zu essen und daraus resultiert auch ein Mangel an Kohlenhydraten und anderen Nährstoffen.

Laut der China Study gibt es keine Nährstoffe in Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs, die nicht in besserer Form von Pflanzen bereitgestellt werden (Campbell, 2011, S. 246).

Wieso High Carb Low Fat und nicht Low Carb?

Voll und trotzdem nicht satt?

Kennst du das, wenn du z. B. einen riesigen Salat mit einer Proteinbeilage isst, dich total voll fühlst, aber irgendwie nicht befriedigt und noch hungrig bist? Hier kommen wieder die Kohlenhydrate ins Spiel. Werden diese durch das Blut aufgenommen und so in die Zellen weitergeleitet, sendet uns unser Gehirn die Information ich bin satt und befriedigt. Kein Wunder, dass Tante Ute aus dem Sauerland damals während ihrer Brigitte-Diät immer so schlecht drauf war. Die Frau hatte Hunger, war unterzuckert und brauchte erstmal eine ordentliche Portion Kartoffeln.

 

Komplexe Kohlenhydrate und Ballaststoffe

Um sich satt und befriedigt zu fühlen, braucht es Ballaststoffe und Kohlenhydrate. Diese findest du in UNVERARBEITETEN Kohlenhydraten, wie z. B. Kartoffeln, Vollkornreis und Hülsenfrüchten.

In meinem Umfeld höre ich immer wieder folgenden Satz: „Ich verzichte derzeit auf Kohlenhydrate, weil ich abnehmen möchte.“ Das tut mir dann immer so leid für die Person, weil sie sich unnötig damit geißelt. Es gibt einen Unterschied zwischen „guten“ und „bösen“ Kohlenhydraten.

„Böse“ Kohlenhydrate (balaststoffarm) – vermeiden:

  • Süßigkeiten
  • Gebäck
  • Weißmehlprodukte (helle Nudeln, helles Brot etc.)
  • Pommes
  • Süßungsmittel (Zucker, Agavendicktsaft, Honig)

Agavendickst oder Honig sind nicht gesünder als Zucker. Mehr dazu erfährst du im Artikel: Warum Honig und Agavendickst genauso ungesund sind wie Zucker.

„Gute“ Kohlenhydrate (balaststoffreich) – reichlich zulangen

  • Kartoffeln
  • Süßkartoffeln
  • Vollkornreis
  • Hirse
  • Hülsenfrüchte
  • Obst

Weißt du warum die „bösen“ Kohlenhydrate besser schmecken? Sie sind quasi die konzentrierte Form von den „guten“. Und wir kennen es von Drogen: etwas in konzentrierter Form schüttet mehr Dopamin (Glücksgefühle) im Körper aus. Das Gleiche passiert hier auch. Ein Überbleibsel unseres Überlebensinstikts ist es, immer das kaloriendichteste/kalorienreichste Nahrungsmittel zu begehren. Damit man auch in Zeiten knapper Nahrung überlebt. Denn wenn Nahrung kanpp ist, macht es mehr Sinn so viele Kalorien – in kurzer Zeit – wie möglich zu konsumieren, um für das Fortbestehen zu sorgen. Doch leider leben wir nicht mehr in solch einer Zeit. Wir leben im Lebensmittelüberfluss. Wir haben die Nahrung so modifiziert, dass sie uns dick und krank macht.

Alles in Maßen

Häufig hört man den Satz: „Alles in Maßen, auch bei Lebensmittel.“ Doch nur weil etwas in Maßen weniger schädlich ist als im Überfluss, heißt es noch lange nicht, dass es gut für uns ist. Außerdem ist der Körper durch den Überlebensinstinkt bei konzentrierter Nahrung, wie z. B. Käse, Pommes etc. nicht in der Lage Maß zu halten. Hier greift das gleiche Suchtprinzip wie bei Drogen, wenngleich Drogen schädlicher sind. Mehr dazu erfährst du im Artikel: Alles in Maßen. Der Mythos der Mäßigung.

Nicht zu vernachlässigen sind auch die Ballaststoff. Diese sitzen in Kohlenhydraten und nicht in Lebensmittel tierischen Erzeugnisses. Milch- und Fleischprodukte enthalten keinerlei Ballaststoffe (siehe obere Grafik). Ballaststoffe sorgen für eine längere Sättigung und das ganz ohne Kalorien. Eine Ernährung arm an Ballaststoffen kann u. a. zu. Verstopfung, Übergewicht und Divertikulitis führen.

Fleisch verweilt bis zu 72 Stunden im Körper bis es eine Reise durch die Kanalisation macht. Pflanzliche Lebensmittel verdauen wesentlich schneller, vor allem Obst. Wassermelone braucht nur 15 Minuten. 

 

Zu guter Letzt kriegt auch das Fett sein Fett weg

„The fat you eat is the fat you wear“ (Dr. Mcdougall, 1994, S. 39). Fett ist ein konzentriertes Lebensmittel. 1 Gramm Fett entspricht 9 Kcal und 1 Gramm Kohlenhydrate nur 4 Kcal. Der Körper speichert viel leichter Fett ab statt sie als sie als Energiequelle zu nutzen. Zunächst verbrennt er alle Kohlenhydrate bevor er sich ans Fett macht. Weniger als 4 Prozent der Fett-Kalorien pro Tag werden für Zellerneuerung, Hormone und andere Körperfunktionen benötigt. Weitere 3 Prozent der Kalorien werden verbrannt bei der Umwandlung vom Essensteller ins Fettgewebe. Dreimal darfst du raten was mit den restlichen 93 Prozent passiert (McDougall, 1994, S. 42). Ob nun zu viel pflanzliches oder tierisches Fett, es landet auf unseren Hüften.

Und was die essentiellen Fettsäuren angeht, diese kann der menschliche Körper nicht selbst synthetisieren und muss sie durch Nahrung aufnehmen. Die wichtigste davon ist Linolsäure. Davon brauchen wir weniger als 2 Prozent unserer Kalorien. Es ist praktisch unmöglich einen Mangel zu erleiden, da alle pflanzlichen Lebensmittel davon einen Teil enthalten (Mcdougall, 1994, S. 44). Es ist somit nicht nötig zusätzlich Öl zu verwenden.

Mythos: Olivenöl ist gesund

Olivenöl enthält 14 % gesättigte Fettsäuren, die z. B. den Cholesterinspiegel anheben. Dies kann zu Schlaganfall, Herzinfarkt etc. führen. Es ist ein Marketinggag, dass Olivenöl oder Öl generell gesund ist. Jeder Mensch weiß, dass Zucker ungesund ist. Zucker = „böse“ Kohlhydrate. Das Fettpendant dazu ist: Öl = „böses“ Fett. Eine Zuckerrübe an sich ist gesund. Um Zucker zu erhalten wird die Rübe industriell verarbeitet, sodass am Ende alle Nährstoffe entsorgt werden und das Endprodukt nur noch Zucker ist. Zucker enthält keinerlei Nährstoffe. Das gleiche passiert mit Öl. Die Pflanze (Olive, Sonnenblume, Walnuss etc.) wird industriell so verarbeitet, dass alle Nährstoffe entsorgt werden und am Ende nur noch Fett übrig bleibt. In Öl sind ebnefalls so gut wie keine Nährstoffe mehr enthalten. Es ist somit deutlich gesünder die Olive als Ganzes zu verzehren als nur ihr Fett.

Essenzielle Fette werden nur von Pflanzen erzeugt und nicht von Tieren.

Wusstest du, dass Cellulitis durch Proteinfasern und Fettgewebe entsteht? Verliert man Körperfett, schwindet auch Stück für Stück die Cello (Dr. Mcdougall, 1994, S. 45).

 

Wieso High Carb Low Fat und nicht Low Carb?

Der Begriff High Carb führt in die Irre

Der Begriff weckt den Anschein sich nur auf kohlenhydratreiche Lebensmittel zu fokussieren. Dem ist nicht so. Der Großteil der pflanzlichen Lebensmittel ist von Natur aus kohlenhydratreich. Demnach liegt es nahe, dass Dr. McDougall und andere Ärzte eine pflanzliche Ernährung als High Carb bezeichnen. Eine Ernährung reich an Obst, Gemüse, Stärke, Hülsenfrüchten und ein kleiner Teil unverarbeitetes Fett – wie Nüsse, Samen und Avocados – ist automatisch kohlenhydratreich. Gleichzeit enthalten diese Lebensmittel Protein und Fett in ausreichenden Mengen.

Die Muttermilch ist bekanntlich die wichtigste Nahrung in den ersten Monaten eines Menschen, um groß und stark zu werden. Erstaunlicherweise enthält diese nur um die 5% Protein. Kuhmilch hingegen dreimal so viel und somit zu viel für kleine Babys. Nicht umsonst wird ein Kalb zu einer bis zu 900kg schweren Kuh.

 

Literatur

Campbell, T. Collin & Campbell, Thomas M., (2011), China Study – Die wissenschaftliche Begründung für eine vegane Ernährungsweise, Systemische Medizin: Bad Kötzting und München

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V., 2015, Protein abgerufen am: 15. März 2015 von https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/protein/

McDougall, John, (1994), The McDougall Programm for Maximum Weight Loss, Plume: New York