Du musst kurz in die Stadt ein paar Dinge erledigen und denkst dir nichts dabei mal kurz bei & Other Stories vorbeizuschauen. Was ist schon dabei, „nur gucken“. Und dann stehen sie da, sie lächeln dir entgegen, sie flirten mit dir und verzehren sich nach dir. Sie können nicht mehr ohne dich. Deine Traumschuhe. Stop! Bis grad eben warst du ziemlich glücklich ohne dieses Paar Schuhe, was ist plötzlich los mit dir. Komm klar, es sind nur Schuhe.
Die Modeindustrie gibt Milliarden Euros für Marketingkampagngen und Forschungen aus, um neue Methoden zu entwickeln dir das Geld aus der Tasche zu ziehen. Und nebenbei vermittelt sie dir das Gefühl, du müsstest dieses und jenes Teil haben, um glücklich und ein „Jemand“ zu sein.
Diesen Zustand konnte ich nicht mehr akzeptieren. Diese Erkenntnis kam erst etwas spät, da war mein Kleiderschrank schon voll. Mist! Kein Problem, Not macht ja bekannterweise erfinderisch. Ich beschloss mich dazu meinen ganzen Konsum zu überdenken.

Konsum fesselt uns, er vernebelt uns den Blick auf das Wesentliche im Leben. Das Glücksgefühl nach dem Kauf einer neuen Sache hält nur sehr kurz an und niemand mag dich plötzlich zweimal mehr, weil du eine neue Uhr hast oder neue Schuhe. Versteh mich nicht falsch, ich liebe Klamotten. Das ist für mich das Karneval der Kölner. Kleidung ist wie Kunst, es hat verschiedene Formen, Farben und Beschaffenheiten. Mit jedem Teil was du trägst, drückst du etwas aus. Ich sehe das ganze so: ich kann eine Leidenschaft für etwas haben ohne mich davon komplett einlullen zu lassen. Mit der Zeit habe ich Methoden und Taktiken für mich entwickelt, was ich gegen diese Konsum-Krankheit machen kann. Eine darunter, Ladies and Gentleman: das Konsum-Buch.
Bevor ich mir etwas neue kaufe, drucke ich das Objekt der Begierde aus und klebte es in mein – noch leeres – Konsum-Buch.

Kurze Anleitung, wie ich das Konsum-Buch führe:

1) Suche dir ein schönes Heft, Kladde oder dergleichen
2) Notiere das Datum des neuen Begierde-Objekts
3) Klebe darunter das Bild mit dem Objekt oder male es auf, falls du zeichnerisch begabt bis 😉
4) Notiere dir den Preis und wo du es kaufen kannst
5) Wenn du das neue Teil gekauft hast, schreibe das Datum daneben
6) So handhabe es mit jedem neuen Teil was du vorhast zu kaufen
7) Ich empfehle dir, für jedes Objekt eine separate Seite zu verwenden

Ich fühle mich leicht in den Kindergarten zurückversetzt. Kleber und Schere kommen wieder zum Einsatz. Schön, es macht sogar noch Spaß den Konsum zu dokumentieren und zu überdenken. Das neue Objekt kaufe ich erst, wenn es mindestens schon ein bis zwei Woche im Buch vor sich hin klebt. Gerne auch länger. Diese Wartezeit ist wichtig und prüft dich. Du kannst jetzt darüber nachdenken, ob du das neue Teil wirklich brauchst oder ob du nicht evtl. in die hinterhältigen Machenschaften der Mode-Industrie hereingefallen bist. (Ach ja, so Basic-Artikel wie Socken lasse ich raus. Wenn meine Füße dank fünf Löcher cabriomäßig unterwegs sind, dann müssen definitiv neue her).

Ehrlichkeit ist wichtig. Das Tagebuch ist ehrlich. Es zeigt dir deinen kompletten Konsum der letzten Monate/Jahre auf und dokumentiert wofür du unnötig Geld ausgibst. Das Konsum-Buch ist dein Freund. Es hilft dir sogar Fehlkäufe zu vermeiden. Ein weiterer positiver Nebeneffekt, den ich noch feststellen konnte: manche Sachen schauen ich mir mehrmals an und bei mehrmaligem hinschauen kann ich manche Teile nicht mehr sehen. Wird der Anblick unerträglich, so hat sich auch der Wunsch erledigt das Teil zu kaufen. Es war kurz in meinem Besitz, in Form eines Bildchens, aber das reicht oft auch schon aus.

Und vergiss nicht, viel wichtiger als das hundertste Paar Schuhe oder Klamotten, ist es einen eigenen Stil zu entwickeln und auf Klasse statt Masse zu setzten. Ich persönlich kaufe lieber einen Pullover für 60 €, statt drei für jeweils 20 €, die nach zweimal tragen Ähnlichkeit mit einem ollen Lappen aufweisen.

Bleib dran, falls dich Themen wie z.B. „wie du deinen Kleiderschrank in eine Goldgrube verwandeln kannst“, „wie du kein Teil der Primark-Wegwerfgesellschaft wirst“ oder ähnliche interessieren.

Und wo wir grad beim Konsum sind. Diesen wunderschönen Füller von Kaweco mit der Feder EF – extra fein, damit meine Würmchenschrift im schönsten Licht präsentiert wird – kannst du hier* besorgen. Aber bitte frage dich zunächst, ob er in dein Eigentum übergehen soll. Du musst dir ganz sicher sein. Dabei könnte dir vielleicht das Konsum-Buch weiterhelfen 😉

P.S.: Das Konsum-Buch lässt sich natürlich nicht nur bei Kleidung anwenden, sondern auch bei allen anderen Dingen, die du kaufst.

Viel Spaß beim Basteln.

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